Von der Kameraautomatik zum manuellen Modus

Kameras sind heutzutage schon derart intelligent, dass der Automatikmodus in sehr vielen Fällen einfach optimale Bilder liefert. Aber wer einfach mehr aus seiner Kamera herausholen möchte, kommt um den manuellen Modus nicht herum.

Kameras bieten viele Methoden um ein Foto zu erstellen. Folgende Möglichkeiten zur Belichtungssteuerung sind in der Regel verfügbar:

  • Automatik – Modus, die Kamera kümmert sich um alles
  • Programmautomatik (P), die Kamera legt Belichtungszeit und Blende für eine optimale Belichtung fest
  • Blendenautomatik (S), die Kamera passt die Blende automatisch an
  • Zeitautomatik (A), die Kamera passt die Belichtungszeit an
  • Manuell (M), die Kamera zeigt lediglich Belichtungshinweise an

Um von der automatischen Belichtung / Fotografie zur manuellen zu wechseln, ist es nicht zwingend notwendig auch gleich im RAW(Rohdatenformat) Format zu fotografieren. Wichtig zu bedenken ist hierbei allerdings bei Jpeg Fotos, das diese von der Kamera (je nach Einstellung) bereits bearbeitet sind. Die Ansicht nach dem Fotografieren entspricht nicht zwangsläufig den manuellen Einstellungen, da zum Beispiel folgende Bearbeitungen bereits statt gefunden haben können:

  • Aufhellung dunkler Bereich
  • Zuschnitt auf Portrait
  • Sättigung / Farbanpassung
  • Objektivkorrektur / Verzerrungskorrektur
  • uvm.

Die Fotografie im manuellen Modus mit Bildbearbeitungsautomatik (Jpeg) ist also leicht anders zu sehen, als die Fotografie im Rohdatenformat. Diese Details werde ich allerdings in einem anderen Beitrag beschreiben um nicht noch weiter vom Thema ab zu kommen. Für beide Varianten kann die folgende Beschreibung genutzt werden.

Automatik Modus, was kommt danach?

Um den Automatik Modus zu verlassen, sollten mindestens Begriffe wie “Blende” und “Belichtungszeit” bekannt sein. Hier aber sicherheitshalber noch eine kurze Erläuterung:

Blende

Die Blende gibt an, wie weit sich ein Objektiv öffnet; wie viel Licht auf einmal durchgelassen wird. Dies hat allerdings auch einen großen Einfluss auf den Bereich, der später auf dem Bild zu sehen ist. Die größte Blende (Offenblende genannt) ist in der Regel auf dem Objektiv vermerkt und kann bei Zoom-Objektiven sogar nach Zoom-Ebene variieren. (f3.5-5.6). Je weiter sich die Blende schließt, desto größer wird dieser Wert.

Eine große Blende (Achtung, kleiner Wert), bedeutet, dass der Bereich, der im späteren Bild scharf zu sehen ist, sehr “flach” ist. Bei Portraits wird dies gerne genutzt um den Hintergrund sehr unscharf, das Modell aber scharf darzustellen. Den Bereich nennt man übrigens Schärfentiefe, also wie tief die Schärfe ist.

Eine kleine Blende (Achtung, große Zahl), bedeutet, dass wesentlich mehr, vielleicht sogar alles im Bild scharf gestellt wird. Hier sollte man allerdings auch zu große Werte vermeiden, da ab einem gewissen Grad wieder Unschärfe einsetzt. Hier sollte man, je nach Objektiv, Blenden von deutlich über f20 vermeiden.

Belichtungszeit

die Belichtungszeit gibt an, wie lange Licht auf den Sensor fällt. Dies ist ein ebenso wichtiger Wert wie die Blende, da nur eine richtige Kombination aus beidem zu einem guten Ergebnis führt.

Im Grunde kann man davon ausgehen, dass jedes Foto verwackelt ist. Es ist technisch einfach unmöglich, dass es gar keine Abweichung der Lichtstrahlen während der Belichtung gibt. Eine kürzere Belichtungszeit verringert allerdings die Intensität dieser Unschärfe.

Die jeweilige Belichtungszeit spielt auch eine Rolle im Zusammenhang mit dem jeweiligen Motiv.

  • Eine Landschaft bei Windstille ist geduldig und kann lange belichtet werden (auf einem Stativ).
  • Ein Läufer kann gerne unter 1/1000 Sekunde fotografiert wird.

eine längere Belichtungszeit kann aber auch eine gewollte Unschärfe hervorbringen. Wasser für einen glatten uns sanften Effekt gerne länger belichtet. Dies wird interessanterweise auch nicht als Unschärfe wahrgenommen.

Mit welchem Modus fange ich an?

Ich habe einen harten Wechsel vom Automatik Modus zum manuellen Modus vollzogen und kann das auch nur empfehlen. Ich vermute dass nahezu alle Bilder innerhalb des ersten Jahres einfach nichts mehr geworden sind. Sie sahen in der Vorschau noch brauchbar aus, aber am Rechner überprüft waren sie oft nichts. Deswegen empfehle ich, bei wichtigen Ereignissen weiterhin den Automatikmodus zu benutzen und bei Ausflügen zum Üben den komplett manuellen Modus einzusetzen.

Warum der harte Cut?

Im Automatikmodus habe ich gefühlt im “Dauerfeuer” fotografiert. In einem Urlaub kamen schnell mal 10.000 Bilder zusammen. Die Besichtigung einer archäologischen Stätte hat über 300 Bilder ausgemacht. Zum einen Kann man sich vorstellen dass derart viele Bilder niemals wieder angesehen werden, zum Anderen könnten diese Bilder auch einen großen Bearbeitungs-/Pflegeaufwand verursachen.

Durch die manuelle Fotografie habe ich mehrere wichtige Dinge erfahren:

  • Ich nehme mir deutlich mehr Zeit um “das Perfekte” Bild zu schießen.
  • Wenn ich die Zeit nicht habe, kann ich immer noch kurz auf den Automatikmodus springen
  • Die Anzahl der Bilder hat sich deutlich reduziert (auf ca 5%)
  • Die Qualität ist im laufe der Zeit angestiegen und hat den Automatikmodus in vielen Situationen um Längen geschlagen
  • Ich bin dadurch inzwischen in der Lage die Halbautomatik-Modi gezielt einzusetzen und zu kontrollieren.
  • Das Hobby ist ruhiger und entspannter geworden.

Wie fange ich an

Idealerweise bei gutem Licht erstmal ein einfaches Motiv nicht zu nah und nicht zu weit weck auswählen. Vielleicht ein Baum, ein Haus, Auto oder was auch immer. Perfekt ist es, wenn die Kamera dabei auf einem Stativ steht, so dass sich das Motiv mit Ausschnitt möglichst nicht verändert (und hoffentlich keine Wolken für wechselnde Helligkeit sorgen). Gutes Licht ist übrigens nicht 12 Uhr Mittags, sondern eher der frühe Vormittag oder der späte Nachmittag.

Zum Anfang sollte die Blende erstmal auf einen oberen einstelligen Wert, zum Beispiel f8 gestellt werden. Dies muss ggf. in der Kamerabeschreibung nachgelesen werden. Der entscheidende Wert ist dann die Belichtungszeit. Diese bestimmt nun, wie hell oder dunkel das Bild werden wird. Die Kamera gibt hierfür schon die Belichtungsmessung als einen Hinweis. Diese ist eine kleine Skala im Sucher oder auf dem Display, die angibt, ob die Belichtung korrigiert werden sollte und in welche Richtung.

Da wir im ersten Schritt nur mit der Zeit als Belichtungsparameter arbeiten, müssen wir diese nach der Skala anpassen. Bei einer (nach Belichtungsmessung) perfekten Belichtung steht die Skala auf 0. Ist das nicht der Fall, muss die Belichtungszeit nach Oben/Unten korrigiert werden, bis diese auf 0 steht.

Jetzt kann das erste Foto geschossen werden. Idealerweise ist dieses Bild schon perfekt belichtet (ggf. schlechten Monitor an der Kamera bedenken und zwischendurch am PC prüfen). Da die Belichtungsmessung nach einem bestimmten Schema arbeitet, kann sie nicht für alle Situationen genutzt werden. Ggf. ist nach dem ersten Schuss ggf. eine Nachjustierung notwendig. Ist das Bild zu dunkel, einfach die Belichtungszeit verlängern wie zum Beispiel 1/400 zu 1/350. Ist es zu hell, dann einfach die Zeit verkürzen.

Geschlossene Blende, großer Blendenwert: ISO 100 48mm f / 22 1/60 Sek.
Leicht geöffnete Blende, etwas kleinerer Wert: ISO 100 48mm f / 13 1/160 Sek.
Relativ weit geöffnete Blende: ISO 100 48mm f / 8 1/400 Sek.
Offene Blende: ISO 100 48mm f / 5,3 1/640 Sek.

Ich habe als Beispiel auf den hinteren versetzt stehenden Gartenstuhl fokussiert. An dem vorderen Gartenstuhl und an der Gartenhütte kann man die sich ändernde Schärfe gut erkennen.

Der nächste Schritt

Prima, die Zeiteinstellung funktioniert, die ersten Bilder sind gemacht! Aber nun zur Blende. Jetzt kann der Blendenwert gerne möglichst klein eingestellt werden. Dies ist je nach Objektiv zum Beispiel f3.5 oder vielleicht sogar noch kleiner. Die Belichtung ist dadurch wieder verrutscht und die Zeit muss als nächstes wieder auf den Skalawert 0 angepasst werden. Die weitere Bearbeitung entspricht dem vorherigen Vorgehen.

Wenn alles passt, dann kann man die geschossenen Bilder vergleichen und sieht schon den Unterschied der Blende. Hier ist bei der zweiten Version wesentlich mehr unschärfer als in der ersten (und das Hauptmotiv hoffentlich trotzdem scharf). Jetzt können wunderbar Erfahrungen gesammelt werden. Hier noch ein paar “schlaue” Sprüche die helfen könnten die richtige Blende und das richtige Licht zu finden:

  • Bei Mensch und Tier nimm Blende 4
  • Wenn die Sonne Lacht, nimm Blende 8 (eher Landschaft)
  • Zwischen 11 und 3 hat der Fotograf frei

Viel Spaß beim Probieren

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