Wanderung von Potamia aus auf den Berg Ipsarion

Ein kleiner Wanderbericht über meinen Weg von dem Dorf Potamia aus auf die höchste Erhebung, den Berg Ipsarion, auf der Insel Thassos.

Vorbereitung:

Ich habe einige Wanderberichte über diesen Weg gelesen und habe viele widersprüchliche Informationen erhalten. Für mich entscheidend waren aber folgende Fakten:

  • Der Aufstieg im Sommer ist hart, es gibt wenig Schatten
  • Es gibt gerade in den Bergen sehr viele Hornvipern. Die giftigste Schlange Europas
  • Das Wetter kann launisch sein
  • Die Wege sind die am Besten markieren Wege auf Thassos.
  • Die Wege sind teilweise zugewachsen und gehen über Geröll

Was möchte ich eigentlich auf der Wanderung machen?

  • Ganz klar: Fotos. Weitwinkel Bilder für die Landschaft, Zoom für Details
  • Auf der Spitze möchte ich ein paar Fotos mit meinen Multikopter machen
  • Die Ruhe der Landschaft genießen
  • An meine Grenzen kommen

Wie sah meine Ausrüstung aus:

  • 3 Kanister mit 2,3 Litern Wasser
  • 2 Flaschen mit 0,75 Litern Wasser
  • 1 Dose 0,33 Liter Energy Drink
  • Backpack Tarion PB-01 mit der Innentasche und Regencape
  • Leichte Thermojacke für Läufer
  • “Adventure” Hut
  • 400g Pizzacracker
  • Ein paar Bonbons
  • Pflaster, einfaches Verbandszeug
  • Sonnencreme
  • Drohne DJ Mavic Pro mit 3 Akkus, Landegestell und Ersatzteilen
  • Kamera Nikon D7500 mit Ersatzakku und Speicherkarten
  • Sigma 10-200mm f3.5 Weitwinkel Objektiv
  • Nikon 18-108mm Kit Objektiv
  • Kamera Reinigungsequipment

Der Weg zum Start:

Da mein Urlaubsort nicht auf Thassos ist, musste ich eine entsprechende Anreise planen. Da ich auf der Insel ein Auto benötigte, musste ich es mit einer Fähre auf die Insel transportieren. Starten wollte ich gerne gegen 8 Uhr, da dann die Sonne noch nicht zu intensiv ist.

Als Starttag hat sich wegen des Wetters (relativ gut, max 40% Regen und 23°C) ergeben.

Keramoti

Die Abfahrtszeiten für die Fähre war 5:00 Uhr, 6:30 Uhr und 7:30 Uhr. 6:30 Uhr + ca. 30 Minuten Überfahrt + ca. 30 Minuten Fahrt zum Start würden ca. 7:30 Uhr ergeben. Passt. Also um 5:00 Uhr aufgestanden, nach Keramoti zur Fähre gefahren und die Tickets gelöst (22 Euro für mich und das Auto…). Leider hatte ich keinen guten Schlaf (Krach in der Nachbarschaft) und war noch sehr müde als ich auf Thassos ankam. Natürlich habe ich dann erst den falschen Ort für den Start genommen, da die Namen relativ ähnlich sind. Das ist mir zum Glück relativ schnell aufgefallen und ich habe Google Maps genutzt um den eigentlich geplanten Startpunkt zu finden. Leider wurde ich im selben Ort immer im Kreis geführt… Durch Gassen die exakt so breit sind wie mein Leihwagen.

Die Wanderung:

Der Startpunkt für derartige Wanderungen ist gut ausgeschildert und es gibt genügend Parkplätze. Zum Einstieg gibt es noch eine schmale geteerte Straße, die aber schon eine relativ gute Steigung hat. Ich merke relativ schnell die ca 18 Kilo Gewicht auf dem Rücken und auf den Schultern. Ein Backpack hat zwar den Vorteil dass das Gewicht auf die Hüfte verlagert wird, aber bei derartigen Steigungen ist der Gang eher leicht vorgebeugt, so dass die Schultern und der Rücken mehr als erwartet belastet werden. Schultern, Rücken und ebenso die Waden gewöhnen sich schnell daran und es wird langsam leichter. Nach ca 20 Minuten langsamen Gang kommen schon die ersten Schweißperlen und ich komme an einem Picknickplatz an. Hier gibt frisches Quellwasser das aus einem Baum kommt. Nachdem ich das probiert habe, entleere ich die Wasserflaschen die ich dabei habe und fülle sie mit diesem Wasser. Es ist einfach natürlicher.

Bergwasser das aus einem Baum fließt

Nach dieser kleinen Pause geht es weiter. Und es wird noch steiler.. Der Teer wird durch Beton abgelöst und der Beton durch Waldboden. Der Weg ist noch recht breit und vermutlich befahrbar. Beschädigte Stellen wurden auf griechische Art repariert: Mit einem Bagger wurde Erdreich aus der Nähe abgetragen und auf die Straße gekippt. Dummerweise ist das Erdreich sehr Lehmhaltig, was die Straße zu einem klebrig- matschigen- Erlebnis macht (Es hat die Tage davor ab und zu geregnet).

Lehmiger Boden

Bedingt durch die Steigung und das Gewicht auf dem Rücken mache ich relativ häufig kurze Pausen. Nach einigen hundert Metern merke ich deutlich den Puls und bleibe stehen bis er sich wieder beruhigt hat. Danach geht es jedes mal wieder etwas steiler hoch..

Nach den lehmigen Abschnitten wird der Zustand der Straße deutlich schlechter, da auch das Wasser aus den Bergen stellenweise darüber geleitet wird. Nach einiger Zeit ist es nur noch ein einfacher Weg.

Abzweigung Ipsarion:

Die Abzweigung zum Ipsarion lässt mich noch einmal zweifeln ob ich diese Wanderung weiter fortführe. Ab diesen Punkt geht es durch dicht bewachsene Farne sehr steil über lose Steine weiter. Ich mache eine Pause und gucke mich erstmal um. Die Aussicht ist grandios. Man kann bis zum Strand herunter gucken, kann aber auch schon die Bergspitze erahnen. Ich merke dass ich mich ihr seit Beginn der Wanderung deutlich genähert habe, sie aber immer noch unerreichbar scheint. Ich gehe weiter.

Abzweigung Ipsarion. An den Bäumen sieht man wie steil es ist
Die Nähe der Spitze lockt

Der “Farn” Abschnitt

Es geht nun in Schlangenlinien den Berg hinauf. Mal waagerecht, mal sehr steil. Oft geht es an der Seite des Weges relativ steil herunter. Ein falscher Tritt könnte hier schon unangenehm werden. Ebenso ist viel Leben in den Farnen. Immer wieder huscht etwas weck und lauert wenige Zentimeter vom Trampelpfad entfernt. Nach einiger Zeit sehe ich aber dass es sich um Eidechsen handelt. Sicherheitshalber gehe ich mit festen Schritt um mögliche Schlangen zu vertreiben.

Der “Wald” Abschnitt

Nun wird es felsiger und waldiger. Teilweise ist es so teil, dass leichtes Klettern notwendig wird. Auch hier gibt es kein Geländer oder sonst irgendeinen Hals bis auf einen gelegentlichen Baum. Ein Bedachtes Laufen ist hier zwingend notwendig, da es zwischenzeitlich sehr steil neben dem Weg herab geht. Dieser Abschnitt kostet sehr viel Kraft, belohnt aber mit einer tollen und abwechslungsreichen Aussicht.

Der Weg ist kaum als ein Weg zu erkennen
Immer wieder gibt es solch eine tolle Aussicht

Der zweite “Farn” Abschnitt:

Nun kommen wieder Farne, die teilweise gut hüfthoch sind. Der Pfad ist aber meist gut erkennbar. Hier ist auch wieder große Vorsicht geboten, da es hier einen lehmigen Boden ohne Abstand zum Hang gibt. Man kann sich den relativ steilen Hang vorstellen in dem in Schlangenlinien Wege getrampelt wurden. Diese sind aber erstaunlich fest.

Der Geröll Abschnitt:

Der bisher schönste Abschnitt geht über immer wieder relativ breite aber auch immer wieder schmale Pfade, die nur aus Geröll bestehen. Man sieht, dass die Baumgrenze langsam erreicht ist. Der Weg ist nicht steiler als die anderen, aber die Anstrengung macht sich nun deutlich mehr in den Beinen bemerkbar. Ich setze mich nun alle ca. hundert Meter hin und mache eine kurze Pause bis sich die Beine beruhigt haben und ich sicher sein kann, dass jeder Tritt sitzt. Die Aussicht ist wunderschön, aber leider ziehen langsam Wolken auf.

Das Camp:

Nun erreiche ich das “Astro Camp”. Ein Lager zum Zelten, Grillen und Pausieren. Kaum stehe ich neben einem gläsernen überdachten Häuschen, fängt es auch schon an zu regnen. Glück gehabt. In dem Moment kommen ein paar Bulgaren und setzten sich dazu. Ein nettes Gespräch entsteht.

Auf zur Spitze:

Nach ca. 15 Minuten ist der Regen vorbei und ich habe mich in der Zeit gestärkt. Die Anstrengung hat mir allerdings sehr zugesetzt und ich zweifel langsam an meiner letzten Kraft. Mir wurde gesagt es sind noch ca 40 Minuten zur Spitze. Also auf auf. Das Gepäck ist noch nicht wesentlich leichter geworden. Bisher habe ich ca 50g Cracker gegessen und ca. 3,5 Liter Wasser getrunken. Der Weg wird wieder deutlich steiler und führt nach und nach auf blanken Felsen. An den Seiten geht es nun noch mit gesundem Abstand senkrecht runter. Ich vermute viele hundert Meter.

Kaum ist der Bergkamm erreicht, führt der Weg immer schwerer erkennbar an der Seite des Kamms entlang. Sehr steil auf Geröll mit etwas Lehm versetzt. Ich weiß nicht ob es an der Erschöpfung liegt, oder am Willen das Ziel zu erreichen, ich gehe diesen Weg, obwohl er eigentlich meiner Meinung nach zu riskant für die Witterung, die Gepäckmenge und dem Zustand ist. Zumindest eine Zeit lang.

Die Spitze:

Ich denke über einen Abbruch nach. Ich bin erschöpft und bin mir nicht sicher ob ich mich noch genug auf den Weg konzentrieren kann. Ein Schild gibt an dass es noch 530 Meter zur Spitze sind. Zu viel denke ich mir. Will aber wenigstens noch den Weg zur Spitze des Bergkamms folgen. Dort angekommen sehe ich die. Die Spitze des Berges und die Geländewagen der “Luxus”-Touristen, die den Weg auf der anderen Seite des Berges genommen haben. Dieser wäre für einen Fußmarsch aber zu lang gewesen.

Das Foto ist von der Spitze aus geschossen

Letzte Kraftreserven entwickeln sich und ich gebe noch einmal Gas. Mit zittrigen Beinen und mit leicht wankenden Schritten nähere ich mich der Spitze. Vorbei an den Selfie schießenden Touristen und versuche einen ersten Schnappschuss zu machen. Nach kurzer Zeit bemerken mich auch die letzten Personen die die Spitze belagern und machen vor Erfurcht Platz. Ob diese Erfurcht am Respekt vor der Wanderung liegt, oder am Schweiß wag ich nicht zu beurteilen ;-). Es gelingen mir einige hoffentlich schöne Motive.

Als nächstes prüfe ich mein Equipment, fülle Wasser in die Flaschen nach und kippe die 2,3 Liter Kanister aus. Nur einen habe ich bisher gebraucht. Um sicher runter zu kommen, muss ich das Gewicht verringern.

Ich gucke gerade nach einem schönen Startpunkt für die Drohne, da fängt es auch schon an sehr stark zu regnen. Ich packe sofort meine Kamera in das Zusatzfach des Backpacks und lege das Regencape an. Für einen kleinen Moment finde ich einen leichten Unterstand der mich nur bedingt vor dem Regen schützt. Die Touristen hauen alle schnell zu ihren Autos ab und fahren davon.

Der Abstieg:

Da es nicht so aussieht als ob der Regen bald schwindet, bleibt mir nichts anders übrig, als aufzubrechen. Also kein Flug mit der Drohne, keine Pause. Ich habe bei dem Regen nur die Lehmigen Abschnitte im Hinterkopf und möchte die hinter mich bringen bevor sie völlig aufgeweicht sind.

Kurze Zeit später ein erster leichter Sturz. Zu Glück nicht auf dem Bergkamm, bzw nicht direkt darauf. Es ist nicht viel passiert bis auf einen schmerzenden Finger und ein paar Dornen in der Hand. Aber meine Konzentration ist geschärft. Ich gehe nun sehr vorsichtig die teilweise rutschigen Steine herab. Der Regen lässt immer mehr nach und es tröpfelt nur noch gelegentlich. Eigentlich immer nur dann, wenn ich gerade die Kamera wieder heraus holen möchte. Im Grunde habe ich dadurch auf dem Abstieg nahezu keine Bilder geschossen.

Der Weg nach oben ist gut ausgeschildert. Für den Weg nach unten sollte man allerdings doch ab und zu auf das Handy gucken. Im letzten Berech habe ich einen falschen Weg genommen und musste den wieder zurück gehen. Ein Umweg von ca 1 Km. Ich war gefühlt am Ende meiner Kräft als ich die Quelle aus dem Baum wieder erreichte. Fix das T-Shirt gewaschen und als Lappen genutzt um mich zu waschen. Herrlich so erfrischt zu werden. Dann nur noch die letzten paar hundert Meter weiter bis zum Wagen und die Wanderung ist erfolgreich abgeschlossen. Ein schöner Weg und trotz Wolken ein schönes Ziel.

Fazit:

Die Wanderung war schön, keine Frage. Das Risiko mit dem hohen Gepäck war doch höher als erwartet. Auch der Wasservorrat war viel zu hoch. Aber das ist ein Punkt der sich schwer planen lässt. Im Grunde habe ich sonst fast alles auf der Tour benötigt was dabei war. Bis auf die Drohne… Ich konnte damit schon bei mehreren kleinen Ausflügen das ein oder andere schöne Foto machen, aber meist ist es dann doch so, dass das Wetter nicht mit spielt, oder andere Bedingungen herrschen, die ein Fliegen unmöglich machen. Das wird für mich in Zukunft mit ein Grund sein, dieses Übergepäck zu streichen.

Anmerkung zu den Touristen:

Ich weiß, ich bin selbst Tourist, aber ich halte das Wort Tourist für etwas negatives. Unter dem Wort Tourist stelle ich mir verwöhnte und auch oft arrogante Menschen vor, die eine Menge Geld für ihren Urlaub ausgeben und erwarten dass alles für sie erledigt wird. Keine eigenen Aufwände werden betrieben, keine Integration oder Respekt vor der Landschaft und den Menschen. Müll wird gerne in die Landschaft geworfen (Ist ja nicht mein Land).

Ich sehe mich eher als Besucher:

Ich versuche die Sprache zu erlernen, behandel die Menschen mit viel Respekt und halte mich, soweit möglich und bekannt, an die dortigen Gebräuche.

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